Tausende Jahre lang hat man Papier auf die gleiche Art und Weise hergestellt. Im klassischen Produktionsverfahren fällte man Holz und zersetzte es im mechanischen oder chemischen Verfahren zu Holzfasern und Zellulose. Man brauchte viel Wasser und chemische Zusatzstoffe, um aus Bäumen Papier und Verpackungen herzustellen.

Die Vorteile der Grasfaser im Papier

Seit Jahrhunderten stellt man Papier auf die gleiche Art und Weise her: Man fällt Holz, zersetzt es sowohl mechanisch als auch chemisch und schöpfte es früher in der Bütte (im Trog), heute findet dieser Prozess in riesigen Maschinenparks stark automatisiert statt.

Man braucht auch heute noch viel Wasser und chemische Zusatzstoffe [1], um aus dem harten Ausgangsmaterial, den Bäumen, Papier und Papierprodukte herzustellen. Denn das Lignin, der „Klebstoff“, der für die Stabilität im Baum sorgt, muss erst mühsam extrahiert werden, um die Zellulose für die weitere Produktion nutzen zu können.

Bäume sind auch heute noch die wichtigsten Rohstoff-Lieferanten für Papier. Sie stellen jedoch auch eine der wichtigsten Ressourcen im Kampf gegen den Klimawandel dar. Sie sorgen für sauberes Wasser, für reine Luft, CO2-Absorption, sind Überschwemmungsschutz und Bergbefestigung, bieten als variantenreiche Misch-Wälder Schutz und Lebensraum für vielfältige Arten im Tier- und Pflanzenreich. Wir brauchen – neben Baumwolle, Hanf, Stein & Co. – weitere Alternativen für unsere Papierindustrie, wenn wir den Schutz unserer Umwelt in das wirtschaftliche Handeln integrieren und Ressourcen schonen wollen. 

Gras ist in großer Menge verfügbar

Wir verbrauchen – trotz fortschreitender Digitalisierung – immer mehr Papier und damit auch mehr Bäume. Pro Jahr nutzen wir in Deutschland so viel Papier wie Südamerika und Afrikazusammen, mehr als 240 kg pro Kopf [2], in Form von grafischen und Hygienepapieren sowie Verpackungen. Die ökologischen Folgen unseres Holzverbrauches (nicht nur für den Papierkonsum) sind u.a. in zunehmendem Raubbau an den tropischen und borealen Wäldern zu sehen.

Was liegt also näher, als bei der Papierproduktion alternative Rohstoffe in Betracht zu ziehen, die schneller wachsen, die Umwelt kaum belasten und weniger Ressourcen verbrauchen?

Gras bietet sich hier als „grüne“ Alternative. Es wächst schnell und in jederzeit verfügbarer Menge nach; wir müssen es nicht extra anbauen, keine Plantagen errichten und Böden durch Monokulturen strapazieren. Gras ist „anspruchslos“ und wenig anfällig für Parasiten. Und beim Ernten bleibt die Pflanze für viele weitere Erntezyklen bestehen. 

Gras schont Ressourcen

Die Herstellung der Grasfaser kann gänzlich ohne Chemie erfolgen und verbraucht daher nur bis zu 6 Liter Wasser für eine Tonne Faserrohstoff. Holz enthält viel Lignin, das für die Verarbeitung der Zellulose zu Papier erst herausgelöst werden muss. Dazu werden viel Wasser und chemische Zusätze verwendet, die man bei der mechanischen Gewinnung der Grasfaser nicht benötigt. Für die Aufbereitung des Holzzellstoffs [2] werden gut 6.000 Liter Wasser je Tonne [3] benötigt.

Auch beim Energieverbrauch punktet Gras. Wegen des rein mechanischen Zerkleinerns der Grasfaser muss man in diesem Prozess nur rund 10 Prozent des Energieeinsatzes, der bei der klassischen Zelluloseextraktion aus Holz nötig ist, aufwenden und vermeidet gleichzeitig 95 Prozent CO2-Emissionen.

Die Transportwege sind ebenfalls wesentlich kürzer. Und auch das wirkt sich positiv auf die CO2-Bilanz der gesamten Produktionskette aus. Das Gras muss nicht erst vom anderen Ende der Welt zur Weiterverarbeitung verschifft werden, es wächst quasi „überall“. Zellstoff aus Holz legt im Schnitt rund 4.000 Kilometer zurück, bis er zum Endprodukt verarbeitet wird. Diesen Umstand möchte auch die deutsche Bundesregierung mit der Nationalen Klimaschutzinitiative ändern und die Transportwege des Holzes verringern [4]. 

Bis zu 50 Prozent weniger Holz

Ganz ohne Holz geht es bei der Herstellung des Graspapieres aber nicht. Man braucht für das jeweilige Endprodukt auch Holzzellstoff oder Recyclingpapier, doch durch das Einbringen des Grasfaserrohstoffes in den Papierherstellungsprozess kann man Zellstoff – und damit den Einsatz von Bäumen – reduzieren, und zwar bis zu 50 Prozent. Für Papierprodukte wird Grasfaser mit Zellulose aus Holz oder Recyclingfasern kombiniert. Das Graspapier ist ganz normal bedruckbar, weist eine vergleichbare Stabilität auf, ist voll recycelbar und vor allen Dingen eins: nachhaltig. Jede Papierfabrik hat ihre eigene „Rezeptur“, so dass Graspapiere und Grasverpackungen in den unterschiedlichsten Ausprägungen entstehen.

 

Mehr zur Papierherstellung steht im Artikel „Wissenswertes über die Papierproduktion“

Recyceln  – und Müll vermeiden

Man kann Produkte aus Graspapier nach ihrer Benutzung entweder dem Wertstoffkreislauf über die Altpapiersammlung zuführen oder auch kompostieren. Das macht die Graspapierprodukte zu wirklich nachhaltigen Alltagsbegleitern, egal, ob als Verpackung oder in Form von Tragetaschen, Trinkhalmen oder Einwegprodukten wie Tellern, Schalen, Kaffeebechern…. Alles, was aus „klassischem“ Papier herstellbar ist, kann mit der Grasfaser ökologisch sinnvoll ergänzt werden. Das spart Ressourcen und hilft, Verpackungsmüll aus Plastik zu vermeiden.

Mehr zum Thema Recycling steht im Artikel „Wertstoffkreislauf von Papier“

 

Kosten und Nutzen

Da sich die Grasfaser mit wesentlich weniger Energie- und Ressourceneinsatz rein mechanisch aufbereiten und unkompliziert für die Papierherstellung nutzen lässt, wirkt sich dies auch auf die Kosten aus. Noch sind diese für Graspapiere ein wenig höher als für konventionelle Produkte, mit steigender Nachfrage und besserer Skalierbarkeit werden die Kosten merklich sinken.

Diese Vorteile haben bereits zahlreiche Unternehmen erkannt, die durch die Nutzung von Graspapier für ihre Verpackungen einen aktiven Teil zum Umweltschutz beitragen.  

 

Quellen


[1] Wasser und Chemie: www.umwelt-im-unterricht.de

[2] Papierverbrauch: www.wwf.de

[3] Wasserverbrauch für Papier: www.umwelt-im-unterricht.de

[4] Holzimporte: www.bmu.de (Pressemitteilung)