Creapaper entwickelt Logistik- und Produktionskonzept für GRASPAP® und garantiert 100 % Versorgungssicherheit

Die drohende Verknappung von Altpapier sowie die ressourcenintensive Neuproduktion von Zellstoffen haben großen Einfluss auf ökonomische und ökologische Rahmenbedingungen innerhalb des papierverarbeitenden Gewerbes. Es drohen steigende Papierpreise und eine negative Umweltbilanz. Die Papierbranche sucht daher dringend nach alternativen Rohstoffen. GRASPAP®, das zu 100% aus Wiesenheu besteht, hat das Potenzial als alternativer Werkstoff industriell eingesetzt zu werden.

In der Vergangenheit wurden viele Rohstoffe für die Papierherstellung erforscht. Dabei kamen z.B. Stroh, Miscanthus oder auch Erdnussschalen zum Einsatz. Im Grundsatz eignen sich diese Stoffe – doch alle Experten sind sich einig, dass der stetige Bedarf nicht für eine industrielle Produktion ausreichen wird. Das Thema Versorgungssicherheit nimmt somit eine zentrale Rolle bei der Suche nach einem Alternativstoff ein.

GRASPAP® hat sehr großes Zukunftspotenzial

CREAPAPER sowie die Entwicklungspartner PTS (Papiertechnische Stiftung) und die Universität Bonn haben schnell das große Potenzial von Gras für die Papierherstellung erkannt. Eine wesentliche Rolle spielte dabei die lokale Verfügbarkeit an fast jedem Ort sowie die natürliche Rohstoffaufbereitung.

Das Entwickler-Team hatte dabei ein ehrgeiziges Anforderungsprofil an den neuen Gras-Rohstoff formuliert: 100% Praxistauglichkeit. Ein großes Augenmerk lag dabei auf der Entwicklung der praktischen Pellets. Für den späteren Einsatz an Papiermaschinen sind dabei die Heuqualität, der Reinheitsgrad sowie die Länge der Graspartikel und deren Auflösezeit zusätzliche Gütefaktoren.

Das Forschungsergebnis kann sich sehen lassen

Mit GRASPAP® wurde ein Granulat (Pellet) hergestellt, das zu 100% aus Gras besteht. Durch die rein mechanische Vorbehandlung wurde es soweit aufbereitet, dass es für die Papierproduktion geeignet ist. Zusätzliche Qualitätsmerkmale sind der komplette Verzicht auf Chemikalien sowie der stark reduzierte Einsatz von Wasser während des Produktionsprozesses.

Der Weg zu den innovativen Pellets war nicht einfach, denn schon schnell wurde deutlich, dass herkömmliche Anlagen für die Gras-Aufbereitung nicht geeignet sind. Insbesondere der benötigte Reinheitsgrad sowie die Gestaltung der Partikelfraktionen entsprachen häufig nicht den strengen Qualitätskriterien der Papierherstellung.

Durch die Einbindung neuer Zusatzaggregate und mittels unzähliger Tests konnten letztendlich die Forscher am Campus Kleinaltendorf der Universität Bonn ein anforderungsgerechtes Produkt in Form eines praktischen Pellets entwickeln.

Für den Papierherstellungsprozess wurde sichergestellt, dass sich die Pellets schnell auflösen und die Grasfasern sich mit der Pulpe verbinden. Dieses wird durch eine möglichst geringe Festigkeit und poröse Oberfläche der Pellets erreicht. Zudem sind die Pellets aus GRASPAP® ideal für einen vereinfachten Lager- und Transportprozess geeignet.

Das Verfahren zur Herstellung von GRASPAP® wurde im letzten Schritt patentrechtlich abgesichert und bietet großes Potenzial für den industriellen Einsatz an Papiermaschinen.

5-stufiges System sichert die Qualität von Anfang an

Um eine gleichbleibende Güte von GRASPAP® zu garantieren, legten die Experten um CREAPAPER großen Wert auf ein effektives Qualitätssicherungs-System, das klare Verantwortlichkeiten regelt. Heraus kam ein fünfstufiges Kontrollsystem, welches eine lückenlose Qualitätssicherung vom Heu-Lieferanten über die Produktion bis hin zum Kunden beinhaltet.

Die erste Stufe bildet dabei eine Lieferantenvereinbarung, die mit dem zukünftigen Systempartner abgeschlossen wird. Auf Grundlage einer Qualifizierung des angebotenen Heus werden im Vorfeld Qualitätsmerkmale und deren Schwankungsbreiten miteinander vereinbart.

Die Übernahmekontrolle ist die 2. Stufe der Qualitätssicherung. Hierbei wird die übernommene Ware auf Basis der zuvor vereinbarten Kriterien einer ausgiebigen Sichtkontrolle unterzogen. Etwaige Produktionsmängel werden dabei sofort erkannt.

Einmal jährlich erfolgt eine Probennahme je Systempartner sowie eine labortechnische Analyse durch ein unabhängiges Prüfinstitut.

Das wohl wichtigste Element im Rahmen der umfangreichen Qualitätssicherung bilden die in Stufe vier vorgesehen Produktionskontrollen bei den Partnern vor Ort. In der laufenden Produktion erfolgt eine kontinuierliche Überwachung der Qualität durch:

  • Inaugenscheinnahme der zugeführten Heuballen (Sinnenprüfung)
  • Dokumentation der Anlagenkonfiguration (verwendete Siebe, Matrizen, etc.)
  • Inaugenscheinnahme der produzierten Pellets
  • Probenname

Vor jeder Kundenlieferung wird in Stufe fünf eine Probe der gelieferten Pellets gezogen und eine entsprechende Dokumentation erstellt. Damit soll im Falle von Reklamationen eine Ursachenanalyse ermöglicht werden.

Studie zur Versorgungssicherheit mit Gras untermauert Belieferungskonzept

Eine durch CREAPAPER im Auftrag gegebene Studie zur Versorgungssicherheit von Gras als Rohstoff für GRASPAP® ergab, dass bei einem Gras-Anteil von 30% die erforderlichen Grünflächen ausreichend vorhanden sind und somit genug Kapazitäten bestehen.

Das Ergebnis der Studie um den Maschinenring Taunus- Westerwald GmbH, der als Referenz für das Bundesland Rheinland Pfalz zur Verfügung stand, fasste die Universität Bonn eindeutig zusammen:

„…der reduzierte Tierbestand sowie der vermehrte Einsatz von Ackerfutter in der Milchviehhaltung haben dazu geführt, dass der Anteil des Grünlandaufwuchses in der Tierfütterung insgesamt abgenommen hat. Theoretisch errechnet sich aus dem Rückgang der Raufutterfresser in Relation zur Grünlandfläche ein Aufwuchs-Überschuss von 20%…. Kalkuliert man vorsichtig und nimmt an, dass auf ¼ der Grünlandfläche Heu geerntet wird, errechnet sich für Rheinland-Pfalz ein Überschuss an Heu von 5% oder 62.000 Tonnen pro Jahr…. Nach Abwägung dieser Kriterien spricht Vieles dafür, dass nicht unerhebliche Mengen an Grünlandaufwuchs künftig der stofflichen Verwertung zur Verfügung stehen werden….“

Fazit: Es stehen ausreichend Grünlandflächen parat, um als GRASPAP® verarbeitet zu werden.

GRASPAP® – aus der Region für die Region

Neben der Verfügbarkeitsstudie wurde mit dem Maschinenring Taunus-Westerwald GmbH, in dem 250 regionale landwirtschaftliche Betriebe organisiert sind, ein Beschaffungs- und Logistikkonzept entwickelt.

Das Projekt verfolgte dabei den Grundsatz: „Aus der Region für die Region“. Die Herausforderungen waren vielfältig, aber das Ergebnis dieser Ausarbeitung spricht für sich und lag auf der Hand.

Das Versorgungskonzept sieht vor, in der Nähe zur jeweiligen Papierfabrik zukünftig Anlagen für die GRASPAP® Produktion aufzustellen. Dieser Ansatz resultiert in erster Linie aus der Tatsache, dass Papierfabriken sich ebenso wie der Heu-Lieferant in ländlichen Gebieten befinden. Zur Sicherstellung geringster Logistikkosten und einer geringen CO2-Belastung muss der Transport auf ein Minimum reduziert werden.